Der Anhal­ti­­sche Kunst­­ver­­ein empfiehlt die Doppelaus­s­tel­­lung studen­ti­­scher Arbeits­er­­ge­b­­nisse des plas­ti­­schen und gestal­te­ri­­schen Gestal­tens: Feiner Strich und Feine Hand­ar­­beit – der Hoch­­schule Anhalt in der Harden­­bergstrasse

Doppelaus­stel­lung Gestal­ten im Fach­be­rei­che AFG, studen­ti­scher Arbeits­er­geb­nisse des plas­ti­schen und zeich­ne­ri­schen Gestal­ten’s

Feiner Strich: Im Foyer des Hauses 5 des Hoch­schul­cam­pus in der Harden­bergstrasse sind z.Z. die Ergeb­nisse von 2 Semes­tern Frei­hand­zeich­nen ausge­stellt. Die Auss­tel­lung zeigt einen fast voll­stän­di­gen Einblick in die Annä­he­rung an das Thema räum­li­ches Frei­hand­zeich­nen vor dem Objekt. Die Studie­ren­den erlan­gen in diesem Zeich­nen-Modul die Fähig­keit sich im Stadt­raum sicher zurecht­zu­fin­den, um licht­starke räum­li­che Archi­tek­turskiz­zen anzu­fer­ti­gen. In diesen zwei Semes­tern erler­nen Sie die Grund­fer­tig­kei­ten einer star­ken Bild­kom­po­si­tion und grafi­scher Gesetze und vertie­fen vor Allem ihre Kennt­nisse der raum­bil­den­den Para­me­ter durch zeich­ne­ri­sche Anwen­dung. Nicht zuletzt erfah­ren Sie die unschätz­ba­ren Vorteile zu schät­zen, die eine händi­sche Analyse der Umge­bung gegen­über der allge­gen­wär­ti­gen flüch­ti­gen Abbil­dung durch die foto­gra­fi­schen Medien für ihre entwer­fe­ri­sche Tätig­keit hat.?Beim Frei­hand­zeich­nen ist die Über­tra­gung der drei­di­men­sio­na­len Wirk­lich­keit auf ein flächi­ges Medium, welches wiederum opti­ma­ler Weise drei­di­men­sio­nal wirken soll, ein nicht zu erset­zen­des Trai­ning, bzw. Über­prü­fen der analy­ti­schen Fähig­kei­ten für die Räum­lich­keit. Aus Analyse wird Synthese.

Feine Hand­ar­beit: Die grafi­sche Auss­tel­lung steht in ergän­zen­der Korre­spon­denz zu einer Präsen­ta­tion von plas­ti­schen Objek­ten aus dem Bereich der gestal­te­ri­schen Raum­ana­lyse. Die span­nen­den und fili­gra­nen Objekte aus vornehm­lich Finn­pappe sind unter Berück­sich­ti­gung ganz ähnli­cher Krite­rien entstan­den wie die gezeich­ne­ten Blät­ter. Beide Work­shops, das Zeich­nen und das plas­ti­sche Gestal­ten, verfol­gen und vertie­fen diesel­ben didak­ti­schen Ziele, nur unter Einsatz unter­schied­li­cher Werk­zeuge. Man kann rela­tiv leicht nach­voll­zie­hen, dass auch die plas­ti­schen Objekte die Beschäf­ti­gung mit Raum und Volu­men im Span­nungs­ver­hält­nis zwischen zwei- und drei­di­men­sio­na­ler Welt unter­su­chen. Archi­tek­tur wird für den Raum entwor­fen und in der Fläche entwi­ckelt. Grund­riss, Schnitt, Fassade werden plan geord­net und in den Raum gedacht. In einer digi­ta­len Berufs­welt ist das analoge Arbei­ten ein unver­zicht­ba­res Denkt­rai­ning für das Studium und fördert die entwer­fe­ri­sche Unab­hän­gig­keit. Die Studie­ren­den waren ange­hal­ten die plas­ti­schen Modelle ausschließ­lich mit der Hand zu entwer­fen und auch zu ferti­gen.?Die analoge Arbeits­tech­nik war sowohl für die gestal­te­ri­sche Entwick­lung, wie auch für den Herstel­lungs­pro­zess Voraus­set­zung. Obwohl bei der Verwen­dung von platt­ar­ti­gem Modell­bau­ma­te­rial der Einsatz von Laser oder Fräse nahe­liegt, wurde bewusst auf digi­tale Werk­zeuge verzich­tet.?Hand­werk­lich entstan­dene Entwürfe fallen in den Detail­lö­sun­gen mate­ri­al­be­zo­ge­ner aus, als die virtu­elle Entwick­lung von räum­li­chen Model­len. Sie entwi­ckeln sich aus einem Wech­sel­ver­hält­nis zwischen mate­ri­al­ab­hän­gi­ger Konstruk­tion einer­seits und dem Ausdrucks­wol­len für die Form ande­rer­seits.?Virtu­elle Modelle laufen leider häufig Gefahr vorder­grün­dig deko­ra­tiv verformt zu werden. Dieses digi­tale „Mor­phen“ lässt sich durch entspre­chende Soft­ware verhält­nis­mä­ßig leicht errei­chen, anstatt einen Entwurfspro­zess zu verfol­gen, der sich aus dem spezi­fi­schen Bauma­te­rial ablei­tet. Die erziel­ten analo­gen Ergeb­nisse spre­chen für sich und finden im 4. Semes­ter, in einem ähnlich konzi­pier­ten Übungs­ka­non, mit einem plas­ti­schen Mate­rial ihre Fort­set­zung. Carl Constan­tin Weber, Prof., Bild­hauer, April 2022