Martin Hadelich – ” zum 100.Geburtstag”

Sa, 17. Januar 2004 um 17:00 Uhr
17. Januar - 28. Februar 2004
Dienstag-Sonntag 11-17.00 Uhr

Orangerie der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau, Puschkinallee 100
Puschkinallee 100, Dessau
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2004 eröffnete der Anhaltische Kunstverein mit Arbeiten
des Dessauer Künstlers Martin Hadelich, der im November seinen 100. Geburtstag feierte.

„Hinten in der Ecke steht eine „Kleine Rindergruppe”, ein Frühwerk im Reich der Lust. Vereinzelt tauchen Huftiere als Spielgefährten mit mythologischen Verweisen auf. Wenige Männerköpfe verschwimmen hinter farbtrunkenen Glasuren. Selten blicken sanfte Knabenaugen schlafwandlerisch auf dicke Grazien und bezopfte Mädchen, auf unbefleckte Koketterie und laszive Gelüste. Das schier exklusive Motiv des Martin Hadelich war die nackte Frau. Zu den letzten Jubiläumsausstellungen war Martin Hadelich nicht erschienen. Am Sonnabend saß er inmitten seines Konvents entblätterter Weiblichkeit und einer ehrenden Anzahl von Gästen. Tränen der Rührung und die Mühsal des Alters gesellten sich so zur Lebensfreunde der großen Sinnlichkeit kleiner Plastiken. Martin Hadelich wurde 1903 in Einzingen als Kind eines Landpfarrers geboren. Er besuchte die Fachschule für Feinmechanik in Ilmenau. Erst 1946 ging er in die Töpferwerkstatt nach Bürgel, wo er seine spätere Frau kennen lernte und die Gesellenprüfung ablegte. 1950 zog das Ehepaar nach Dessau. Bald gab es erste, baugebundene Aufträge. An Neubauten entstanden Reliefs und Putzschnitte, welche das Ehepaar, wie die späteren keramischen Wandreliefs, gemeinsam realisierten.1960 erhielt Martin Hadelich von der Stadtbibliothek Dessau seinen ersten Auftrag in Bronze, das „Lesende Mädchen”. Andere Plastiken für den öffentlichen Raum folgten, wie die „Völkerfreundschaft”. Das durchaus nicht unpolitische Thema geriet unter der Hand des Künstlers nicht zum fahnen- schwenkenden Mahnmal auf staatstragendem Postament. Europa und Afrika begegnen sich in Gestalt zweier Frauen typisiert und ahnungsvoll. Die Übermacht der Burg Giebichenstein und eine Auseinandersetzung mit dem „Beirat für bildende Kunst und Stadtplanung” brachten 1974 das Ende öffentlicher Aufträge. Jetzt entsteht, was in der Ausstellung versammelt ist, tanzende, liegende, sitzende, weibliche Akte, modellierte Kleinplastiken, Sinnlichkeit in Serie. Stumm verträumt, weich und anschmiegsam sind Hadelichs Tuschzeichnungen. In wahrlich schönen Farben und fließenden Formen erscheinen kleine Glasurbilder. Hinter matten und glänzenden Glasuren, die nicht selten andere Materialien beschwören, posieren Pikanterie und Humor, Lust und Einsamkeit. Manchmal sind die Kleinplastiken ironisch (im Wortsinn) überspitzt, manchmal genüsslich gerundet. Die endlos posierende Weiblichkeit steht einsam im Raum oder wird verspielt märchenhaft als Wandrelief in Szene gesetzt. Gerade die schlichten, älteren Arbeiten bezeugen, dass der nackte Körper mehr zu transportieren vermag als Fleischeslust – die aber ist, Elixier oder nicht, irgendwie gesund.” Gekürzt. c. THOMAS ALTMANN, MZ DESSAU.