Ines Doleschal (Malerei) und Elgin Willigrodt (Installation, Film) – „exTRakt”

Fr, 08. April 2016 um 17:00 Uhr
9.April - 21. Mai 2016
Mittwoch-Sonnabend 14-17.00 Uhr

Anhaltischer Kunstverein Dessau e.V. im - kunstRaum22 - in der Askanische Strasse 22
Askanische Straße 22, Dessau
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Reduziert und doch nuancenreich in ihrer raumbildenden Wirkung sind Farben und Formen der Arbeiten der Berliner Künstlerinnen Ines Doleschal und Elgin Willigerodt. Zwischen Fläche und Körperlichkeit verschwimmen Grenzen, die Dimensionen changieren, Material und Um-Raum kommunizieren fließend, dynamisch, sind in Bewegung.

Für die Malerin Ines Doleschal ist die Innenraumgestaltung der Bauhaus-Architektur Ausgangspunkt und Referenz für eigene räumliche Kompositionen. In ihrer Serie Hommage an HS (2012-13) geht sie den Projekten der Werkstatt für Wandmalerei am Bauhaus Dessau nach. Frei erfundene architektonische Formen zeigen teils überraschende Farbkompositionen, die in Anlehnung an die Farbpläne der Werkstatt des Meisters Hinnerk Scheper („HS“) und in eigener Anschauung der Bauhaus-Innenräume in Dessau entstanden sind. Auch in der Serie Faltungen (2011-14) ist die Farbigkeit differenziert, sind die räumlichen Strukturen vor allem Träger einer intensiven und hochsensiblen Chromatik. Ines Doleschal lässt ihre Malerei zwischen fluchtender Tiefe und strenger Flächigkeit, reduzierter Dreidimensionalität und gefalteter Ebene oszillieren – weich in der Behandlung von Binnenstrukturen, präzise bei Kanten und Farbumbrüchen.

Graphische Skulptur – oder skulpturale Graphik? Die Frage nach einer formalen Einordnung lässt die Bildhauerin Elgin Willigerodt mit ihren filigranen Konstruktionen aus farbig bemalten Holzleisten unbeantwortet. Und nicht nur die Kategorisierung, auch die farbliche und räumliche Ästhetik der Arbeiten bleibt zweideutig. Elgin Willigerodts Skulpturen weisen auf den ersten Blick eine klare, mit Auge und Verstand rasch erfassbare Geometrie auf. Auf den zweiten Blick werden die Formen, auch aufgrund ihrer starken Farbigkeit, lebendig, geraten – nicht nur visuell – in Bewegung. Scheinbar statische Arbeiten wie Ragtime (2013) wiederum sind so „handgerecht“ und flexibel gebaut, dass sie bei musischen und tänzerischen Interaktionen (dokumentiert im Film „Alternate Exterior Angles of Constant Departure“ von Lucia Gerhardt und Elgin Willigerodt) aus dem Stillstand in die Bewegung geführt werden.

In ihrer Ausstellung exTRakt im Anhaltischen Kunstverein Dessau zeigen die Künstlerinnen einen Auszug aus ihrem Schaffen, der klar ihr Interesse an formalen Kriterien und Raumfragen manifestiert. Exakt in der Erarbeitung und künstlerisch-handwerklichen Umsetzung, sind ihre Werke auch als bildnerisches Extrakt zu verstehen: Wie aus einem fiktiven, dichten Raumgefüge herausgelöst und bewusst vereinzelt erscheinen hier die „Rippen“ einer geometrischen Raumgestalt, dort die planimetrisch ausgebreiteten Raumstrukturen. Beides ist vorstellbar als räumliches Gebilde – den intensiven, offenen und aktiven Blick des Betrachters vorausgesetzt.