Heinrich Schmidt Rom – „Maler aus Dessau”

Di, 10. Dezember 2013 um 17:00 Uhr
10. Dezember 2013 - 09. Februar 2014
Dienstag-Sonntag 11.00-18.00

Orangerie der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau, Puschkinallee 100
Puschkinallee 100, Dessau
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Heinrich Schmidt-Rom, geb.1877 in Berlin als Heinrich Wilhelm Nicolas Schmidt; gest. 28. September 1965 in Dessau, war ein deutscher Landschaftsmaler und Porträtist. Nach einer bis 1894 abgeschlossenen ersten Ausbildung als Glasmaler an der Kunstgewerbeschule Berlin studierte er 1901 bis 1903 an der Königlichen akademischen Hochschule für die bildende Kunst zu Berlin (Vollmer). Als deren Stipendiat lebte er 1903 bis 1905 auf dem Gelände der Villa Strohl-Fern in Rom,wo der Elsässer Alfred Strohl-Fern seine „panartistische Utopie“ auslebte. 1904 führte ihn eine Studienreise nach Sizilien, wo er den Künstlernamen Schmidt-Rom annahm. 1906 ließ sich Schmidt-Rom in Dessau als Landschaftsmaler und Porträtist nieder. Als Schmidt-Rom nach Dessau kam, traf er auf Paul Riess und Wilhelm Danz. Hier malt Schmidt-Rom Waldstücke, Auenlandschaften und Porträts. Immer knapp bei Kasse, folgt er, in bürgerlich erschwinglichen Formaten, mehr oder weniger pastos, offenbar dem Wunsch und dem Geschmack einer potenziellen Käuferschaft. Nach der Übergabe des Wörlitzer Schlosses an die Joachim-Ernst-Stiftung kopierte Schmidt-Rom, Lücken im Interieur schließend, Bildnisse, die laut Auseinandersetzungsvertrag im Besitz des Herzoghauses blieben. Dazu zählen etwa Anthonis van Dycks Bildnisse der Gräfin Amalia von Solms-Braunfels oder des Prinzen Friedrich Heinrich von Oranien-Nassau.Längere Reisen führten ihn 1909/1910 nach Nordafrika und Bali, 1911 nach Capri und 1924 erneut nach Sizilien und Capri.

Der Lebenslauf kommt bald im Jahr 1932 an. Laut Scholtka wird Schmidt-Rom Mitglied der NSDAP und später der „Künstler-Kameradschaft Dessau“. 1942 und 1943 bewirbt er sich erfolglos im „Haus der Kunst München“ zu den „Großen Deutschen Kunstausstellungen“, den Propaganda-Veranstaltungen der Nazis schlechthin. Die erste dieser Ausstellungen lief, um einen Tag versetzt, als Gegendarstellung zur Ausstellung „Entartete Kunst“. Wenn der Kunstverein einen technisch guten, politisch kompromittierten, künstlerisch apathischen Maler wie Schmidt-Rom ausgräbt, dann sollten Werk und Geschichte, Bezüge und Verhalten auch kritisch aufbereitet werden.(MZ vom 18.12.2013, Thomas Altmann)