Carl Marx, Erich Schmidt-Uphoff, Heinz Rammelt – „…. zum 90.”

Fr, 12. Oktober 2001 um 17:00 Uhr
13.Oktober - 1.Dezember 2001
Dienstag-Sonntag 11-17.00 Uhr

Johannbau des Stadtgeschichtsmuseum Dessau

Feine Tiere und tanzende Sinnlichkeit. Drei Dessauer Maler verbindet ein Datum: der 90. Geburtstag. Der Anhaltische Kunstverein nimmt dies zum Anlass, um den verstorbenen Carl Marx, Erich Schmidt-Uphoff und Heinz Rammelt zu ehren. Im Johannbau wurde am Sonnabend eine Ausstellung eröffnet, die Werke der Maler von öffentlichen und privaten Leihgebern präsentiert. Drei Maler, drei Geschichten, drei völlig verschiedene Sprachen einen ein Alter, ein Wohnort und eine Ausstellung. Der 1991 verstorbene Carl Marx wäre im August 90 Jahre geworden. Erich Schmidt-Uphoff und Heinz Rammelt werden in wenigen Wochen feiern. Der Kunstverein hat für diesen Anlass eine Vielzahl von Bildern aus privaten und öffentlichen Räumen gesammelt. Ein erster Blick zeigt, dass die Zusammenschau nicht unproblematisch ist. Mit sehr viel gutem Willen könnte man sie spannungsvoll nennen. Es sei, so der Vorsitzende Jürgen Neubert, eine „besondere Ausstellung an einem besonderen Ort”. Horst Dauer hält die Laudatio, skizziert Leben und Werk der Maler. Nur hätte man hier ein wenig persönlicher und, dem Anlass entsprechend, ruhig auch mal sentimental werden dürfen. Als einige am Ende Autogramme sammeln, gibt es diese Gefühle, welche unbedingt zu solch einer Ausstellung gehören. Ein Löwe in Pastell schreitet in dieser Schau gravitätisch über das Papier. Die Spuren auf diesem Blatt hat nicht das Tier, sondern die Zeit hinterlassen. Heinz Rammelt zeichnete den König der Tiere 1931. Damals lebte er noch in Leipzig. In seiner Geburtsstadt besuchte er die Akademie der graphischen Künste. Seit 1933 illustrierte er Tierfabeln und Tiergeschichten. Später arbeitete er als Karikaturist und illustrierte längst nicht nur Kinderbücher. Seit 1954 wohnt er in Dessau. Wohl jeder hat „Meister Tusche” irgendwann mit Stift und Papier im Tierpark gesehen. Auf einer lavierten Federzeichnung spottet er über „Feine Leute”. Bei Heinz Rammelt sind diese natürlich Tiere. Herr Schwein und Frau Kuh fressen in bürgerlicher Etikette.

Bei Carl Marx unterstrich Horst Dauer den Einfluss der jüdischen Mutter auf die Poesie des Bauhaus-Schülers. Manche nennen ihn gar den „Chagall der DDR”. Nur die Sinnlichkeit seiner durch Farbkontraste bestimmten Zauberwelt ist zuweilen sehr viel körperlicher. Neben Zirkusleuten und Fabelwesen schälen sich immer wieder lustvoll geformte Popochen aus einem Meer von Farben. Ein Intellektueller mit entblößtem Oberkörper in Öl – nur die Art, wie er die Brille hält, verrät die Zugehörigkeit zur Kaste der Belesenen – betrachtet eine jugendlich kokettierende „Schweinezüchterin”. Die Farbe ihres Hinterteils wiederholt sich auf den zum Verzehr bestimmten Tieren. Daneben gibt es eine dezentere Poesie des Fleisches oder Träume ganz anderer Art und viele Zeichnungen von zuweilen demaskierender Nacktheit. Der in der Formalismus-Debatte der 1950-ger Jahre diffamierte, sonnengebräunte Radfahrer Carl Marx, hat längst nicht jeden in sein Haus am Knarrberg gelassen. Die Ausstellung und das vor wenigen Wochen veranstaltete Symposium werden hoffentlich helfen, viele seiner späten Arbeiten, die durch Erbstreitigkeiten ein Depotdasein führen, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Von einer anderen Sinnlichkeit, bestimmt durch Melancholie in leeren Räumen, sind die Arbeiten von Erich Schmidt-Uphoff. Nach seinem Studium an der Dresdener Kunstakademie übersiedelte er 1934 nach Dessau. Einige seiner dunkel lyrischen Radierungen aus dieser Zeit werden in der Ausstellung gezeigt. MZ-Dessau, Thomas Altmann.